Mich naßregnen zu lassen, könnte eine neue Lieblingsbeschäftigung werden. Am Sonntag regnete es so, daß man keinen Hund hätte nach draußen schicken mögen. Der Merfelder Bruch war wie ausgestorben. Kein Mensch weit und breit. Dauerregen und Wind. Die Wege, die kaum noch zu erkennen waren, waren mit nassem Laub bedeckt, der Himmel ein einziges Grau. – Plötzlich war aus dem Unterholz ein Knacken zu hören. Man denkt dann als erstes an einen Hasen, den man aus seiner sonntäglichen Ruhe aufgestöbert hat. Doch dann sah ich ihn in einer Entfernung von vielleicht fünfzig Metern stehen – ganz still und regungslos. Ein Rothirsch. Den Kopf mißtrauisch zur Seite geneigt beargwöhnte er mich. Ich rührte mich nicht. In meiner Jackentasche suchte ich unauffällig nach meinem Handy, verwarf aber den Gedanken an ein Photo angesichts des dunklen Waldes und des strömenden Regens bald wieder. – Wir standen etwa eine Minute und blickten uns an. – Langsam ging ich weiter. Das Gefühl überkam mich, in einem fremden Territorium zu sein. War ich in seine Lebenswelt eingedrungen? Das Wild in dieser Region ist mit Menschen relativ vertraut, da es bei schönem Wetter oft viele Menschen in die weitläufigen Fluren des Bruchs zieht. Aber an diesem Nachmittag waren wir zwei ganz allein – der Hirsch und ich. In der nun folgenden halben Stunde geschah etwas Ungewöhnliches: Der Hirsch zog parallel zu mir durch den Wald, an manchen Stellen nur noch dreißig, vierzig Meter von mir entfernt. Schließlich machte der Weg eine scharfe Biegung und es trennten sich unsere Wege. Von einer kleinen Anhöhe aus, sah ich ihn ein letztes Mal, ehe er im Dickicht des Waldes verschwand – ruhig und majestätisch.
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- Weltverständnis 8. Dezember 2008Experimenten zufolge scheinen moralische Betrachtungen eine Rolle in den meisten grundsätzlichen Konzeptionen der Menschen zu spielen. Die Implikation liegt darin, dass sich der normale Weg eines Weltverständnisses radikal von dem unterscheidet, das wir in den Wissenschaften suchen. Obwohl dieses keine besondere Form einer semantischen Fragestellung beinhal […]temporarilysilent
- Alternativfrage 6. Dezember 2008Wer oder was sorgt dafür, dass das, was ich wähle, dieses ist und nicht jenes? Bin ich es, die die Entscheidungen trifft, oder ist es irgendetwas in mir, das für mich die Entscheidungen trifft? Z.B. ein cartesianischer Homunculus? Wenn ich es bin, die entscheidet, wer oder was bin ich dann? Alternativerweise, wenn es einen Homunculus gibt, [...]temporarilysilent
- Freiheit 5. Dezember 2008In der Antike wurde Freiheit vorwiegend als Freiheit der Polis verstanden. Das gesellschaftlich freie Miteinanderleben bildete sich erst in der Neuzeit aus einem Autonomieverständnis heraus. Durch einen Anstoß von Kierkegaard wurde im 20.Jhdt. innerhalb der Existentialphilosophie Freiheit thematisiert.temporarilysilent
- Verlegenheit 21. November 2008Wie sollte ich beschreiben wie es mir schon seit Tagen geht? Ich habe in letzter Zeit wenig in dieses Weblog geschrieben, da ich mehr die Online – Kommunikation ausprobiert habe. Allerdings sind diese virtuellen Eskapaden wenig von Erfolg gekrönt. Wesentliches scheint zu fehlen. Was passiert, wenn das logon didonai versagt und wir von der „Dämon […]temporarilysilent
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- Zwischenzeitlicher Zustand 17. Januar 2009
2 Kommentare
Lieber Nauplios,
bei meinem letzten Erlebnis mit einem Hirsch hatte ich auch das Gefühl. in dessen Lebenswelt eingedrungen zu sein.
Allerdings bin ich auch nicht so verwachsen mit der Umgebung.
Dass der Hirsch Dich parallel begleitete ist schon sehr ungewöhnlich. Vielleicht wollte er ein Zeichen setzen?
Liebe Grüße
Temp =)
Liebe Temp!
Du hast wie ich sehe unsere gemeinsame Hirsch-Episode noch nicht vergessen.
)
Ich glaube ja immer noch, daß es eben der Hirsch war, der sich uns in der Nacht vorher (eine wunderbare, fast etwas surreale Vollmondnacht) in den Weg gestellt hat …
Vielleicht erkennt er Dich bei Deinem nächsten Besuch wieder …
Aber ist es nicht schön, mal auf diese zeichenhafte Weise mit einem Tier zu kommunizieren? Der Hirsch röhrt, um in der Brunft seine Ambitionen auf Herde und Terrain deutlich zu machen. Und dem Menschen bleibt nur der respektvolle Abstand. – Wer möchte da nicht hin und wieder Hirsch sein?
)
Liebe Grüße
Nauplios