Heute nacht, mein kleiner Engel, sind meine Gedanken bei Dir. Zwar haben wir soeben noch telephoniert und doch habe ich schon wieder das Bedürfnis, Dir nah´ zu sein. So schicke ich meine Gedanken auf Reisen durch die dunkle Nacht. Sie mögen Dich in Deinem süßen Schlummer sanft berühren und das „Ich hab´ Dich lieb“ soll als guter Stern über Deinen Träumen stehen. – Vielleicht treffen wir uns ja gleich im Traumland unserer Phantasie. Wie Du weißt, pflege ich in der Nacht aus meinem Bett ein schwebendes Nachtgefährt zu machen, mit dem ich erst in die Höhe und dann mit sanfter Rechtsbiegung aus dem Fenster zu schweben gedenke. Und dann geht es immer höher zu den Sternen und es wird immer kälter. Ich ziehe mir dann die Bettdecke über den Kopf und luge mal aus der einen, mal aus der anderen Seite aus dem Bett. Unter mir sehe ich dann die Stadt liegen mit ihren einsamen Straßen und den vielen kleinen Lichtern. Ab und zu wird der Blick durch nächtliche Wolkenfetzen getrübt und dann nehme ich Kurs auf Deinen Wohnort und nach kurzer Zeit nähert sich mein Luftschiff Deiner Straße. Und dann schwebt mein Bett vor Deinem Fenster und ich sehe Dich schlafend in Deinem Bettchen liegen. – Und es ist allerliebst, zu sehen, wie Du einen Arm unter Dein Köpfchen geschoben hast und am Fußende ein Füßchen vorwitzig unter der Bettdecke herausschaut. Mir kommt dabei ganz unwillkürlich der „Abendsegen“ aus Humperdincks „Hänsel und Gretel“ in den Sinn:
Abends will ich schlafen gehn,
vierzehn Engel um mich stehn:
zwei zu meinen Häupten,
zwei zu meinen Füßen,
zwei zu meiner Rechten,
zwei zu meiner Linken,
zweie, die mich decken,
zweie, die mich wecken…
zweie, die mich weisen
zu Himmels Paradeisen!
(Wenn Du magst, spiele ich Dir das mal beim nächsten Mal am Klavier vor.)
Und wenn ich Dich dann so hübsch wohlbehütet in Deinem Bettchen gesehen habe, dann mache ich mich auf den Heimflug. – Doch genauso schön ist es natürlich, wenn wir beide gemeinsam einschlafen, eng aneinander gekuschelt. Schlaf schön, mein Engel und träume was ganz Schönes. Morgen bist Du wieder bei mir und ich freue mich auf Dich! – Denke immer daran, daß ich Dich lieb habe! – Ich gehe jetzt ins Bett, unsere kleine Blöki wartet schon. Bis gleich, mein Engel!